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Autoren im Rauschwerk-Katalog

StartBücherAutoren › Camille Sinclair

Camille Sinclair

Warum Camille das zu enge Kleid wieder auftrennte.

Camille Sinclair verkaufte Kinokarten in Marseille und steckte in Brüssel Kleidersäume ab, bevor sie eigene Erwartungen genauer betrachtete. Ihre Bücher über Körperwahrnehmung und Nähe bewahren den Blick einer Frau, die Widersprüche interessant findet und vor dem Spiegel gern genauer hinsieht.

Im Katalog
7 Bücher
Themen
Sexualität & Beziehungen

Biografie

Camille Sinclair sammelt Kinokarten von Filmen, die sie nicht mochte. Die gelungenen bleiben ihr ohnehin im Gedächtnis, sagt sie; bei den anderen interessiert sie, weshalb sie trotzdem bis zum Ende sitzen blieb. Dieses Vergnügen an widersprüchlichen Eindrücken begleitet sie auch außerhalb des Kinos. Sie kann eine Begegnung zugleich schön und unbeholfen finden. Ein eindeutiges Urteil ist für sie selten die interessanteste Stelle einer Geschichte.

Mit Anfang zwanzig verkaufte Camille Eintrittskarten in einem kleinen Kino in Marseille. Zwischen zwei Vorstellungen stellte sie Stühle zurecht und hörte an der Garderobe halbe Liebesgeschichten. Ihre eigene Wohnung lag über einer Bäckerei und war im Sommer viel zu warm. Sie begann früh aufzustehen, bevor die Hitze in den Zimmern stand, und frühstückte auf einer Treppenstufe. Bis heute mag sie Städte am liebsten in der Stunde, in der sie noch nicht ganz vorzeigbar sind.

In Brüssel folgte eine längere Zeit in einer Änderungsschneiderei. Camille nahm Aufträge an, steckte Säume ab und lernte einfache Reparaturen. Menschen erzählten vor dem Spiegel erstaunlich unterschiedliche Dinge über denselben Körper: liebevoll, entschuldigend, ungeduldig. Sie erkannte ihre eigene Gewohnheit wieder, sich vor einem Kompliment vorsorglich selbst zu kritisieren. Ein Kleid, das sie für einen besonderen Abend mühsam enger genäht hatte, hing danach ungetragen im Schrank. Sie mochte sich darin nur, solange sie stillstand.

Der Wendepunkt war unspektakulär: Camille trennte die Naht wieder auf. Es folgten weitere kleine Entscheidungen, die keinem neuen Ideal dienen mussten. Sie lernte allein essen zu gehen, fuhr ohne Begleitung für eine Woche ans Meer und beendete ein Date, obwohl die andere Person durchaus nett war. Sie merkte, wie oft sie ein eigenes Unbehagen erst ernst nahm, wenn sie es ausführlich begründen konnte. Über diese Verzögerung wollte sie schreiben.

Heute näht sie noch immer, vor allem Taschen mit zu vielen Innenfächern. Sie zieht Zitronen aus Kernen, verliert regelmäßig ihre Lesebrille und kennt bei alten Komödien die Nebenrollen besser als die Hauptfiguren. Im Gespräch ist sie schnell und neugierig; bei eigenen Wünschen wird sie bisweilen umständlich. Ihre Texte entstehen auch aus dem Versuch, diese Umständlichkeit freundlich zu betrachten und trotzdem zu einem klaren Satz zu kommen.

»Selbstbefriedigung für Frauen«, »How to Kiss — the honest guide« und »Period Sex« greifen unterschiedliche Seiten dieser Suche auf. Camille schreibt über Körpererfahrungen, Erwartungen und die Wörter, die dazwischen fehlen. Ihre Leserinnen und Leser sollen neben einer Beschreibung die eigene Erfahrung wiederfinden dürfen. Ihre Freude am nicht ganz Passenden bleibt dabei erhalten: Ein schiefer Kuss kann eine gute Erinnerung werden. Ein makelloser Abend muss noch lange nicht der eigene sein.

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Diese Biografie ist von der Autorin oder dem Autor und den Büchern inspiriert. Persönliche Lebensstationen sind zum Schutz ihrer Identität erzählerisch erfunden.