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Autoren im Rauschwerk-Katalog

StartBücherAutoren › Hella Schmidt

Hella Schmidt

Sie rechnet nach, wer nach dem gemeinsamen Essen noch arbeitet.

Hella Schmidt kennt Kiosktresen, Lieferpläne und eine Wohngemeinschaft, deren angeblich faire Aufteilung ihr irgendwann gründlich auf die Nerven ging. In Feministische Finanzen schreibt sie über Geld und Verantwortung mit der Genauigkeit eines Menschen, der eigene Widersprüche lieber zugibt als hinter einem perfekten Haushaltsplan versteckt.

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1 Buch
Themen
Geld & Beruf

Biografie

Hella Schmidt bewahrt in einer Blechdose zwei sehr unterschiedliche Dinge auf: die Kassenzettel größerer Anschaffungen und Knöpfe, deren zugehörige Kleidungsstücke längst verschwunden sind. Beides wegzuwerfen kommt ihr verschwenderisch vor. Über Geld kann sie beim Abendessen stundenlang streiten; ihre eigene Steuerpost schiebt sie trotzdem gern unter den Brotkorb. Diese wenig schmeichelhafte Gleichzeitigkeit erwähnt sie, bevor jemand sie für einen Menschen mit vollkommen geordnetem Leben hält.

In einem Dortmunder Kiosk stand Hella mehrere Jahre hinter dem Tresen. Zwischen Zeitungspaketen und Pfandbons lernte sie die feinen Unterschiede zwischen knapp bei Kasse und ständig für andere verantwortlich kennen. Manche Stammgäste rechneten jede Kleinigkeit nach, andere bezahlten beiläufig für die halbe Straße. Was eine Person tatsächlich tragen musste, war dem Inhalt ihres Portemonnaies selten anzusehen. Hella begann, genauer auf solche Unterschiede zu achten.

Für einen Umzug nach Hamburg verkaufte sie fast ihre gesamte Schallplattensammlung und nahm eine Stelle in der Auftragsannahme eines kleinen Lieferbetriebs an. Am Telefon konnte sie freundlich und hartnäckig zugleich sein. Privat funktionierte diese Klarheit schlechter: In einer langjährigen Wohngemeinschaft übernahm sie Einkauf, Abrechnungen und Reparaturtermine, weil es sonst liegen blieb. Dass die anderen die Miete pünktlich überwiesen, erklärte sie sich lange als ausreichende Fairness.

Als die Wohnung aufgelöst wurde, sortierten alle Möbel nach Eigentum. Hella stand mit einem Karton Glühbirnen, Werkzeug und abgelaufenen Wartungszetteln daneben und merkte, wie wenig ihre jahrelange Arbeit in dieser Aufteilung vorkam. Am liebsten hätte sie den Karton mitten im leeren Zimmer stehen lassen. Stattdessen nahm sie ihn mit. Ein späterer Sommer bei ihrer Schwester in Leipzig zeigte ihr die nächste Variante derselben Frage: Betreuungszeiten und Einkaufsfahrten tauchten in keinem Haushaltsbuch auf.

Aus Gesprächen über getrennte Konten, gemeinsame Verantwortung und die Frage, wer überhaupt Zeit zum Geldverdienen hat, entstand Feministische Finanzen. Hella interessiert sich für die scheinbar kleinen Absprachen, die ein Leben über Jahre prägen. Sie bringt dabei keinen Anspruch auf ein makelloses eigenes Budget mit. Sie bringt die Bereitschaft mit, nachzurechnen, unbequeme Fragen auszuhalten und eine bequeme Antwort noch einmal auf ihre Folgen abzuklopfen.

Heute lebt Hella wieder im Ruhrgebiet, näht Taschen aus alten Vorhängen und organisiert mit Freundinnen gelegentlich einen langen Tauschabend am Küchentisch. Dabei handelt sie um Stoffreste deutlich energischer als um ihr eigenes Honorar. Sie arbeitet daran. Ihre Texte passen zu Menschen, die Geld gern sachlich besprechen würden und feststellen, dass Beziehungen dabei immer mit am Tisch sitzen. Hella würde als Erstes Platz schaffen, damit alle ihre Unterlagen ausbreiten können.

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Diese Biografie ist von der Autorin oder dem Autor und den Büchern inspiriert. Persönliche Lebensstationen sind zum Schutz ihrer Identität erzählerisch erfunden.