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Autoren im Rauschwerk-Katalog

StartBücherAutoren › João Ventura

João Ventura

Er bekam endlich freie Zeit und schrieb erst einmal nichts.

João Ventura lieferte Möbel in Porto aus, verzettelte sich in Berlin und verbrachte später Nächte an der Rezeption eines Gästehauses auf Madeira. Die Götterstunde verbindet sein Interesse an diesen stillen Zwischenzeiten mit Fragen nach Aufmerksamkeit, Selbstbild und der Möglichkeit, sich anders zu begegnen.

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Themen
Lernen & Mentaltraining

Biografie

João Ventura setzt sich in Cafés gern mit Blick zur Wand. Seine Freunde finden das unhöflich gegenüber der Aussicht; er behauptet, Landschaften seien hervorragende Ablenkungen. Aufgewachsen ist er in einer Wohnung über einer kleinen Möbelwerkstatt in Porto, wo es selten vollständig still war. Das gleichmäßige Schleifen von Holz gehört für ihn bis heute zu den angenehmen Geräuschen. Ein einzelner vibrierender Nachrichtenton kann ihn dagegen zuverlässig aus jedem Gedanken werfen.

Als junger Erwachsener half João beim Ausliefern und Aufbauen gebrauchter Möbel. Er mochte fremde Treppenhäuser, die kurzen Einblicke in andere Leben und den Moment, wenn ein zu großer Schrank doch um eine Ecke passte. Dazwischen lagen Stunden des Wartens. Auf Parkscheinen und Lieferscheinen begann er kleine Texte, die fast immer mitten im Satz endeten. Er war überzeugt, mit einem freien Monat würde daraus endlich etwas Zusammenhängendes werden.

Diesen freien Monat bekam er nach einem Umzug nach Berlin tatsächlich. Er wohnte zur Zwischenmiete, kannte kaum jemanden und erledigte zunächst alles, außer zu schreiben. Die Küche war ordentlich, die Umgebung gründlich erkundet, der Text unverändert. Danach nahm er Schichten in einem kleinen Transportbetrieb an. Ausgerechnet an Arbeitstagen gelang ihm manchmal mehr. Die Entdeckung kränkte sein romantisches Bild von Freiheit und blieb ihm deshalb besonders gut im Gedächtnis.

Eine spätere Saison an der Nachtrezeption eines Gästehauses auf Madeira brachte einen neuen Rhythmus. Zwischen späten Ankünften und frühem Frühstück hatte die Insel für ihn eine andere Gestalt. Zum Schreiben nutzte er einen geschlossenen Ladenraum, den eine Bekannte vorübergehend leer stehen hatte. Dort gab es einen Tisch, einen unbequemen Stuhl und morgens keinen Empfang. Auch sein Schlaf verschob sich. Manchmal lag er mitten in der Nacht wach, ohne dass jemand etwas von ihm wollte. Er begann aufzuschreiben, wie anders sich dieselben Sorgen in diesen stillen Zwischenzeiten anfühlten.

Die Götterstunde greift diese Faszination für die Nacht und die eigene Wahrnehmung auf. Im Mittelpunkt stehen das Wachsein zwischen zwei Schlafphasen und Fragen nach dem Selbstbild. João interessiert daran die Vorstellung, dass vertraute Gedanken in einem anderen Licht ihre Selbstverständlichkeit verlieren können. In seiner Geschichte steht dafür die Rezeption auf Madeira: derselbe Raum, dieselben Möbel, aber nachts eine eigentümliche Ruhe. Aus der anfänglichen Suche nach Zeit zum Schreiben wurde die Neugier auf solche Veränderungen des eigenen Blicks.

Heute pendelt João gern zwischen Betriebsamkeit und Rückzug, entscheidet sich aber nicht immer rechtzeitig für eines von beiden. Er sammelt Küchenwecker und benutzt meist denselben alten mit einer abgeplatzten Ecke. Wenn ihm ein Absatz nicht gelingt, geht er Geschirr spülen; manchmal entsteht dabei der nächste Satz, manchmal nur sauberes Geschirr. Für diese zweite Möglichkeit hat er inzwischen mehr Verständnis. Die Aussicht im Café betrachtet er dann auf dem Weg nach draußen.

Werk & Themen

Die Götterstunde stellt ein Wachfenster zwischen zwei Schlafphasen in den Mittelpunkt. João Ventura verbindet dieses nächtliche Motiv mit Fragen nach Selbstbild, Aufmerksamkeit und der Vorstellung, dem eigenen Alltag anders zu begegnen. Der deutschsprachige Titel erkundet die Nacht als besonderen Raum für die Beschäftigung mit sich selbst.

Die Verbindung von nächtlicher Ruhe und einem veränderten Blick auf sich selbst eröffnet einen besonderen Lesefokus. Was erscheint im Abstand zum Tagesbetrieb anders, welche eigenen Vorstellungen werden dabei sichtbar? Diese Fragen passen zu Menschen, die sich für Bewusstsein und Selbstbilder interessieren und gern auch einen bildhaften Zugang dazu erkunden.

Lektüre & Zugang

Die Nacht kann für unterschiedliche Menschen sehr Verschiedenes bedeuten: Abstand, Unruhe, Stille oder eine Zeit ohne die Ansprüche des Tages. Genau diese Offenheit macht den Titel als Leseeinladung interessant. Welche Vorstellung verbindet sich für Sie mit einer Stunde, in der der gewöhnliche Tagesbetrieb für einen Moment fern erscheint?

Dazu kommt die Frage nach dem eigenen Selbstbild. Was halten wir tagsüber für unveränderlich, und wie klingt derselbe Gedanke mit etwas Abstand? Ein bildhafter Text lässt sich an solchen Fragen erkunden. Erzählerische Vorstellungen und Aussagen über den Körper dürfen dabei getrennt betrachtet werden; nicht jedes anregende Bild ist zugleich eine Erklärung.

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Diese Biografie ist von der Autorin oder dem Autor und den Büchern inspiriert. Persönliche Lebensstationen sind zum Schutz ihrer Identität erzählerisch erfunden.