Korbinian Frey trocknete Skischuhe, trug Waren am Fähranleger und erlebte an der finnischen Küste einen sehr unspektakulären Abenteuerwinter. In BERSERKER folgt er seiner Faszination für nordische Sagen und Kriegertrance mit der Selbstskepsis eines Menschen, der den eigenen Ehrgeiz schon einmal für Stärke gehalten hat.
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Biografie
Korbinian Frey fährt im Winter gern mit der ersten Regionalbahn ins Umland und frühstückt erst an einer Endhaltestelle. Er sucht keine Rekorde und führt keine Liste der gelaufenen Kilometer. In seiner Jackentasche steckt meistens ein krummer Nagel, gefunden beim Abbau eines alten Bootsschuppens. Der Nagel lässt sich zu nichts gebrauchen. Korbinian behält ihn trotzdem, weil er ihn daran erinnert, wie viel Kraft manchmal in eine Arbeit geht, die am Ende niemand sieht.
Der Bootsschuppen stand an der finnischen Küste. Korbinian verbrachte dort einige Monate bei Bekannten, half beim Ausräumen, strich Bretter und trug Holz über einen dauerhaft nassen Hof. Er hatte sich die Reise einsamer und heldenhafter vorgestellt. Tatsächlich bestand sie aus Tee, langen Einkaufsfahrten und der mühsamen Verständigung darüber, welche Wand stehen bleiben sollte. Dass ihm gerade diese unspektakulären Tage fehlen würden, verstand er erst nach der Rückkehr.
Davor lagen Winter in Garmisch, wo er in einer Skiverleihstation Schuhe trocknete und Material sortierte, und eine Saison beim Verladen von Waren an einem kleinen Fähranleger. Beides war körperliche Arbeit mit sehr wenig Raum für große Gesten. Korbinian las damals abends nordische Sagen und bemerkte den Abstand zwischen ihren überwältigenden Bildern und der gewöhnlichen Erschöpfung in seinen Händen. Dieser Abstand störte ihn nicht. Er wollte wissen, warum die Geschichten trotzdem so anziehend blieben.
Ein gemeinsamer Wanderurlaub in Nordschweden brachte seinen eigenen Ehrgeiz ziemlich nüchtern ans Licht. Korbinian drängte auf eine längere Strecke, obwohl sich niemand außer ihm dafür begeisterte. Als die Gruppe umkehrte, war er erst beleidigt und später erleichtert. Die Erinnerung ärgert ihn bis heute. Sie hat ihm aber ein bleibendes Misstrauen gegen die Behauptung eingebracht, Entschlossenheit und Stärke seien immer dasselbe oder ein Rückzug müsse zwangsläufig eine Niederlage sein.
In BERSERKER beschäftigt er sich mit Kriegertrance zwischen nordischen Sagen, Körperreaktionen und möglichen Folgen. Ihn ziehen die kraftvollen Bilder an; zugleich interessiert ihn, was sie mit dem Blick auf den eigenen Körper und auf andere Menschen machen. Er möchte die Faszination ernst nehmen, ohne jeden heftigen Zustand zu verklären. Seine Fragen beginnen oft dort, wo eine mitreißende Erzählung endet und jemand wieder in seinen gewöhnlichen Alltag zurückfinden muss.
Korbinian lebt inzwischen am Rand von Augsburg, mag sehr leise Morgen und repariert Rucksäcke, lange nachdem andere sie aussortiert hätten. Beim Brettspiel ist er ein schlechter Verlierer, was Freunde zuverlässig gegen seine Überlegungen zum Loslassen ins Feld führen. Er lacht dann meistens, nicht sofort. Wer ihn liest, begegnet einem Menschen, der von wilden Geschichten angezogen wird und sich zugleich für die unscheinbaren Handgriffe interessiert, mit denen man nachher wieder festen Boden bekommt.
Werk & Themen
BERSERKER betrachtet den Krieger im Ausnahmezustand. Korbinian Frey beginnt bei nordischen Überlieferungen und zieht weitere Figuren aus Mythologie und Geschichte hinzu. Das deutschsprachige Buch verbindet diese Bilder mit Fragen nach Wut, körperlicher Erregung, Selbstkontrolle und dem, was auf einen Kontrollverlust folgt.
Die vier Teile öffnen unterschiedliche Blickrichtungen: Der Wolf im Mann führt in die Überlieferung, Die Brüder im Wahn in den Vergleich verwandter Figuren. Die Maschine betrachtet Körperreaktionen und Erklärungsversuche; Der Preis richtet den Blick auf die Folgen. Ein Quellenanhang bietet Ansatzpunkte, einzelne Spuren über das Buch hinaus zu verfolgen.
Lektüre & Zugang
Wir empfehlen, die eindrucksvollen Kriegerbilder zunächst auf sich wirken zu lassen und dann ihre Funktion genauer anzusehen. Was erzählt eine Überlieferung über Mut, Angst oder Zugehörigkeit? Was davon beschreibt der Text als Erklärungsversuch? Die Unterscheidung hält die Neugier offen und verhindert, dass aus einem starken Bild vorschnell eine einfache Antwort wird.
Der Wechsel zwischen verschiedenen Kulturen lässt sich gut mit einer eigenen Vergleichsfrage begleiten. Achten Sie beispielsweise darauf, wer einen solchen Zustand bewundert, wer ihn fürchtet und wer mit seinen Folgen leben muss. So bekommen Ähnlichkeiten Gewicht, während Unterschiede zwischen Erzählungen und Zusammenhängen sichtbar bleiben.
Buch von Korbinian Frey
Deutsch 1
- RW
Lernen & Mentaltraining · Deutsch
BERSERKER
Kriegertrance zwischen nordischen Sagen, Körperreaktionen und ihren Folgen.
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Diese Biografie ist von der Autorin oder dem Autor und den Büchern inspiriert. Persönliche Lebensstationen sind zum Schutz ihrer Identität erzählerisch erfunden.