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Autoren im Rauschwerk-Katalog

StartBücherAutoren › Tom Keller

Tom Keller

Beim Tango scheiterte sein Plan, schnell kein Anfänger zu sein.

Tom Keller pendelte jahrelang zwischen Aushilfsjobs, bevor aus einer vorübergehenden Unterkunft eine WG und aus einem späten Ausflug eine neue Leidenschaft wurden. Seine Bücher über Sexualität und Beziehungen tragen die Erfahrungen eines Mannes, der beim Tango lernt, wie wenig sich eine Begegnung allein planen lässt.

Im Katalog
2 Bücher
Themen
Sexualität & Beziehungen

Biografie

Tom Keller ging zum ersten Tangokurs mit dem festen Vorsatz, sich möglichst schnell nicht mehr wie ein Anfänger zu fühlen. Nach einer Stunde wusste er vor allem, wie oft man einen Fuß falsch abstellen kann. Auf dem Heimweg wollte er nicht wiederkommen. Eine Woche später kam er doch, diesmal ohne das heimliche Vorhaben, irgendjemanden zu beeindrucken. Diesen zweiten Abend erinnert er genauer als die späteren, an denen schon mehr gelang.

Tom wuchs in Dortmund auf und arbeitete nach der Schule als Küchenhilfe. Er mochte frühe Schichten und das Gefühl, mittags bereits etwas geschafft zu haben. Danach folgten Jahre, in denen er für wechselnde Aushilfsarbeiten zwischen Ruhrgebiet und Hannover pendelte. Er kannte Bahnhöfe zu Uhrzeiten, zu denen selbst die Lautsprecherdurchsagen müde klangen. Seine Wochen bestanden aus Fahrten, Arbeit und Wäschewaschen. Wenn Freunde fragten, was er am Wochenende vorhabe, musste er oft erst nachsehen, in welcher Stadt er sein würde.

Als ein möbliertes Zimmer in Hannover kurzfristig wegfiel, zog Tom für vermeintlich zwei Wochen bei Bekannten ein. Daraus wurde eine Wohngemeinschaft, mit gemeinsamem Kochen, unterschiedlichen Schlafzeiten und einer Mitbewohnerin, die spätabends zum Tanzen ging. Sie nahm ihn mit. Tom stand zunächst am Rand und betrachtete seine Schuhe. Nach den Pendeljahren war ihm das ziellose Zusammensein beinahe fremd geworden: Hier musste niemand einen Anschluss erreichen, und ein Abend durfte dauern, ohne etwas vorweisen zu können.

Der Tangokurs passte zwischen seine Spätschichten und die letzte Straßenbahn. Tom übte Schrittfolgen in der leeren WG-Küche, stieß gegen den Kühlschrank und wurde von den Mitbewohnern freundlich verspottet. Auf der Tanzfläche merkte er, dass ein bekannter Ablauf wenig half, wenn er die andere Person nicht bemerkte. Besonders blieb ihm ein Abend, an dem seine Partnerin einfach stehen blieb. Tom wollte den nächsten Schritt retten. Sie wollte nur kurz zuhören, weil gerade ihr Lieblingsstück angefangen hatte.

Heute wohnt er noch immer in Hannover. Er kocht sonntags große Töpfe, kennt ungewöhnlich viele Nachtbusverbindungen und kann kaum an einer alten Bahnhofsuhr vorbeigehen. Vor Verabredungen ist er überpünktlich, bei persönlichen Nachrichten umständlich. Den Tango hat er behalten, auch die schlechten Abende. Er mag, dass eine gemeinsame Bewegung nicht allein ihm gehört. Leicht fällt ihm dieser Gedanke weiterhin nicht: Im Kopf zählt er gelegentlich schon den nächsten Takt, während er eigentlich gerade genießen wollte.

»Schwarzgurt im Bett« und »The Potency Code« greifen seine Beschäftigung mit Sexualität, Gewohnheiten und gemeinsamem Lernen auf. Tom interessiert, wie man aufmerksam übt, ohne jede Begegnung in eine Leistungsprobe zu verwandeln. Der Wunsch, etwas gut zu machen, darf bleiben. Er braucht nur Platz für eine zweite Person mit eigenen Vorstellungen. Für Tom beginnt das noch immer bei zwei Menschen auf einer Tanzfläche, die nicht gleichzeitig wissen müssen, wie der nächste Schritt gelingt.

Werk & Themen

Tom Kellers Schwarzgurt im Bett betrachtet gemeinsames Lernen in intimen Beziehungen. Aufmerksamkeit, Rückmeldung und überschaubare Übungsabende bilden den praktischen Bezugspunkt. Der Titel spricht einen Wunsch an, den viele Menschen kennen: sich sicherer fühlen, etwas besser verstehen, beim Ausprobieren eine Orientierung haben. Zugleich lässt sich fragen, wann daraus unnötiger Leistungsdruck wird.

Unter Tom Kellers Namen ist außerdem das englischsprachige The Potency Code erhältlich. Für eine deutschsprachige Lektüre über gemeinsames Erkunden ist Schwarzgurt im Bett der klare Einstieg. DER POTENZ-CODE wird unter Thomas Keller geführt und hat einen eigenen Schwerpunkt bei Alltagsgewohnheiten und Erwartungen. Die ähnlichen Namen sollten deshalb die Buchauswahl nicht übernehmen.

Lektüre & Zugang

Das Bild des Schwarzgurts macht Können sichtbar, während gemeinsames Lernen oft sehr unauffällig geschieht. Eine Rückmeldung kommt früher, ein Versuch wird kürzer, eine Frage lässt sich leichter aussprechen. Für die Lektüre lohnt deshalb der Blick auf diese kleinen Verschiebungen. Sie sagen etwas anderes aus als die Vorstellung, eine Technik einmal endgültig beherrschen zu müssen.

Der reizvolle Widerspruch liegt im Titel selbst: Man möchte besser werden, ohne jede Begegnung in eine Prüfung zu verwandeln. Wir empfehlen, diese Spannung beim Lesen mitzunehmen. Dabei können zwei Menschen durchaus verschiedene Dinge lernen. Was einer Person Orientierung gibt, ist für die andere vielleicht vor allem ein Anlass, einen eigenen Wunsch genauer zu beschreiben.

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Diese Biografie ist von der Autorin oder dem Autor und den Büchern inspiriert. Persönliche Lebensstationen sind zum Schutz ihrer Identität erzählerisch erfunden.