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Autoren im Rauschwerk-Katalog

StartBücherAutoren › Lennart Vogt

Lennart Vogt

Seine wichtigste Geburtstagseinladung hängt noch immer am Kühlschrank.

Lennart Vogt plante Lieferungen, strandete mit einem Wohnwagen in Frankreich und reparierte in Lübeck Uhren, die nicht alle wieder liefen. Wie werde ich 100 Jahre alt folgt seiner Neugier auf einen lebenswerten Alltag und der Frage, warum man selbst wichtige Verabredungen so leicht auf später verschiebt.

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1 Buch
Themen
Alltag & Wissen

Biografie

An Lennart Vogts Kühlschrank hängt seit Jahren eine Einladung zu einem neunzigsten Geburtstag. Das Fest war unspektakulär schön: Kartoffelsalat, ein viel zu kleines Wohnzimmer und ein Gastgeber, der nach einer Stunde selbst vorschlug, jetzt einmal gemeinsam vor die Tür zu gehen. Lennart hatte ein sorgfältig verpacktes Geschenk dabei und sonst kaum etwas. Auf dem Heimweg beschäftigte ihn weniger das hohe Alter als die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Mensch noch immer Pläne machte.

Lennart lebte damals in Bielefeld und betreute Warenannahme und Versand für einen kleinen Betrieb. Er konnte Liefertermine Wochen im Voraus im Kopf behalten, schob private Verabredungen aber häufig auf einen ruhigeren Monat. Nach der Arbeit aß er etwas im Stehen und begann schon die nächste Liste. Er fühlte sich dabei nicht besonders unglücklich. Gerade das irritiert ihn rückblickend: Ein enger Alltag kann erstaunlich lange normal aussehen, wenn man ihn kaum unterbricht.

Eine längere Reise mit einem alten Wohnwagen sollte später die große Unterbrechung werden. Bereits in der zweiten Woche stand er auf einem Campingplatz bei Limoges und wartete auf ein Ersatzteil. Die erzwungene Pause brachte ihm keinen plötzlichen neuen Lebenssinn. Er lernte lediglich die Namen der Nachbarn, ging jeden Morgen Brot holen und half einem anderen Gast, einen klemmenden Schrank auszubauen. Nach einigen Tagen wollte er überraschend ungern weiterfahren.

Zurück in Deutschland nahm Lennart in Lübeck eine Stelle in einem Gebrauchtwarenladen an. Dort wurden Haushalte abgegeben, Zimmer neu eingerichtet und gelegentlich lange Geschichten zu einem gewöhnlichen Beistelltisch erzählt. Er begann, sich für das zu interessieren, was Menschen über Jahre behalten: Dinge, Gewohnheiten, Freundschaften, Ärger. Gemeinsam mit einem Nachbarn setzte er alte Wanduhren wieder zusammen. Manche liefen danach zuverlässig, andere blieben dekorativ stehen. Mit den zweiten hatte Lennart zunächst deutlich mehr Mühe.

Wie werde ich 100 Jahre alt trägt eine große Frage im Titel, die Lennart vor allem auf den heutigen Tag zurückführt. Ihn interessieren Alltagsgewohnheiten und die Vorstellung, wie man die vorhandene Zeit verbringen möchte. Der Wunsch nach einem langen Leben bleibt für ihn mit Unsicherheit verbunden. Er schreibt weder aus der Pose des ewig Disziplinierten noch aus der Überzeugung, ein Mensch könne seine Lebensspanne wie einen Liefertermin planen.

Inzwischen kocht Lennart gern für zwei Tage und lädt dann spontan so viele Menschen ein, dass für morgen nichts übrig bleibt. Er geht zu Fuß zum Markt, vergisst dort die Hälfte und freut sich meistens über den zweiten Weg. Seine Neigung, alles sinnvoll nutzen zu wollen, ist nicht verschwunden. Am besten merken Freunde das, wenn er einen freien Sonntag zu gründlich vorbereitet. Die alte Geburtstagseinladung bleibt deshalb am Kühlschrank, direkt neben den neuen Verabredungen.

Werk & Themen

Wie werde ich 100 Jahre alt stellt eine große Frage an sehr gewöhnliche Tage. Lennart Vogts deutschsprachiger Ratgeber beschäftigt sich mit Gewohnheiten, Schlaf und Bewegung. Hinzu kommt die Frage, wie Aussagen über ein langes Leben und ihre Quellen einzuordnen sind. Der Titel benennt die Neugier, die ins Thema führt.

Als Lektüre passt das Buch zu Menschen, die sich einen Überblick über Lebensstil und Langlebigkeit wünschen. Spannend ist dabei das Verhältnis zwischen dem großen Horizont und dem eigenen Alltag. Was begegnet einem schon jeden Tag, worüber liest man bisher nur Schlagzeilen, und welche Fragen lassen sich überhaupt allgemein beantworten?

Lektüre & Zugang

Die Zahl im Titel lenkt den Blick weit nach vorn; die Themen führen zurück zu einem gewöhnlichen Tag. In dieser Spannung liegt ein anregender Lesezugang. Was an der Frage nach einem langen Leben betrifft eigentlich die Länge, und was betrifft die Vorstellung, wie diese Jahre aussehen sollen?

Wir finden daran besonders interessant, wie schnell allgemeine Gedanken persönliche Erwartungen wecken können. Eine bekannte Alltagssituation macht einen Text zugänglich, beantwortet aber noch nicht jede individuelle Frage. Die Lektüre lässt sich nutzen, um beides genauer auseinanderzuhalten: das Interesse an Zusammenhängen und den Wunsch nach einer eindeutigen Antwort für das eigene Leben.

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Diese Biografie ist von der Autorin oder dem Autor und den Büchern inspiriert. Persönliche Lebensstationen sind zum Schutz ihrer Identität erzählerisch erfunden.